„Erst 10 und schon aussortiert?“

Veröffentlicht am 10.07.2011 in Bildung & Kultur

Die Gemeinschaftsschule: Die Antwort der BayernSPD auf ein ungerechtes Bildungssystem - Kampagne zur Gemeinschaftsschule wird auch vom SPD-AK Labertal unterstützt

Zum Start der Infotour in Sachen Gemeinschaftsschule lud der SPD-Ortsverein Geiselhöring am vergangenen Donnerstag in die Pizzeria Gardasee ein. „Die SPD-Landtagsfraktion hat mit der Gemeinschaftsschule eine Schulform entwickelt, die eine bessere Bildung für Bayern und damit bessere Zukunftschancen für unsere Kinder und Jugendlichen bietet“, so der stellvertretende Bezirksvorsitzende der NiederbayernSPD, Peter Stranninger, der den Straubinger Landtagsabgeordneten Reinhold Perlak bei der Vorstellung dieser innovativen Schulform in unserer Region unterstützt. Die Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Bildung (AfB), Marion Winter, beteiligte sich mit Teilen der AfB-Vorstandschaft im Bezirk Niederbayern an der intensiven Diskussion.

Neben den Vorstellungen des Konzeptes zur Gemeinschaftsschule durch den Bildungsexperten der Landtagsfraktion, MdL Martin Güll, an ausgesuchten Standorten in Niederbayern (z.B. am 19. Juli in der Eskarahalle in Essenbach) will der Straubinger Abgeordneten Reinhold Perlak, mit Peter Stranninger, als engagierten und kompetenten Partner, das innovativen Schulkonzept in seinen Betreuungsstimmkreisen einer breiten Öffentlichkeit vorstellen und Neugierde bei Eltern, Lehrer und Kommunalpolitiker wecken. Anschließend werden die Bildungsexperten der BayernSPD in jedem Landkreis in einem sogenannten Bildungsdialog das Konzept der Gemeinschaftsschule mit allen beteiligten Gruppen diskutieren.

Peter Stranninger, selbst Vater einer schulpflichtigen Tochter, vertritt dabei das Konzept der Gemeinschaftsschule mit Herz und Verstand und versteht es die Sorgen und Ängste der Bürgerinnen und Bürger anzuhören. Gerade als Eltern, Großeltern, Erzieher, Sozialpädagogen und Ausbilder brachten sich auch die Teilnehmer der Veranstaltung aus Geiselhöring, Perkam, Straßkirchen und Langquaid sowie die Vertreter der Arbeitsgemeinschaft für Bildung (AfB) und dem AK Labertal in die Diskussion ein. Vorab informierte Peter Stranninger die Versammlung nach einem kurzen Image-Film über die eckpunkte des Gemeinschaftsschulkonzeptes: „Die SPD in Bayern will ein gerechtes Schulsystem, bei dem es keine Aufteilung der Schüler/-innen nach Bildungsgängen und Schulstandorten mehr gibt. Die wohnortnahe Schule kann so erhalten bleiben und der Übertrittsstress entfällt. Es werden alle Bildungsgänge bis zur echten mittleren Reife vor Ort angeboten, der Übertritt in die Gymnasiale Oberstufe ist möglich. Die Lerninhalte werden dabei den Potenzialen der Schülerinnen und Schüler angepasst und die Freude am Lernen soll das Auswendiglernen ablösen. Dabei arbeiten die Lehrkräfte aller Schularten intensiv zusammen und das pädagogische Konzept obliegt der Schule und dem Schulträger.“

Die Vision der SPD: Eine Gemeinschaftsschule in Geiselhöring ermöglicht den echten Realschulabschluss und den Übertritt in die Gymnasiale Oberstufe am Ort

Die SPD will die Eltern, Lehrer und Bürgermeister davon überzeugen, dass die Gemeinschaftsschule eine echte Chance für ihre Kinder, Schüler und Schulstandorte ist. Es ist geplant in jedem Landkreis eine Projektschule parallel zum bisherigen dreigliedrigen System einzurichten. Am Standort Geiselhöring hätten die Eltern dann die Wahlmöglichkeit, ihre Kinder wie bisher direkt nach der 4. Klasse an die Realschule oder das Gymnasium zu schicken oder eben den Weg über das gemeinsame Lernen bis zur 10 Klasse zu gehen. Dabei wären am Ort die bisherigen Hauptschulabschlüsse, der echte Realschulabschluss und der Übertritt in die Gymnasiale Oberstufe und damit das Abitur möglich. „Soziale Gerechtigkeit bedeutet für uns gleiche Bildungschancen für alle, wobei niemand ausgeschlossen wird“, so Peter Stranninger zum inklusiven Charakter der Gemeinschaftsschule. Die Kinder erlernten soziale Kompetenzen aus eigenen Erfahrung.

Leider könnten sich die wenigsten Eltern etwas unter kooperativem Lernen vorstellen, da wir alle über Generationen hinweg nur den Frontalunterricht erlebt hätten. Aber es stehe fest, dass es funktioniert, wenn in kleinen Lerngruppen Schuler von Schülern lernten, wenn für die schwächeren Schüler Intensivierungsstunden eingebaut würden, während für fortgeschrittene Schüler ein interessantes Zusatzprogramm (z.B. Theater) angeboten werde. Auch der phasenweise Unterricht am Gymnasium in entsprechenden Neigungsgruppen erleichtere letzteren z.B. den Übertritt in die Gymnasiale Oberstufe. „Sicherlich ist ein kooperatives Unterrichtsmodell, bei dem der Lehrer mehr Moderator und Kontrolleur statt Alleinunterhalter ist, nicht jedermanns Sache“ so Peter Stranninger, „aber gerade die vielen jungen, derzeit zu 50% von Arbeitslosigkeit bedrohten Lehrerinnen und Lehrer würden das Angebot sicher gerne annehmen“. Als „Lehrer wieder Lehrer sein zu können“ würde auch dem zunehmenden Burnout in der Lehrerschaft entgegenwirken.

Planungssicherheit für Schulen und Sicherung der Schulstandorte in den Kommunen

Das Konzept der Gemeinschaftsschule bietet den Schulleitern und Kommunen eine langfristige Planungssicherheit und rechtfertigt die in den Schulen getätigten Investitionen. Ruth Müller berichtete, dass die Umbenennung der Hauptschule den Trend zum Übertritt an die Realschulen und Gymnasien nicht gebremst habe. „Die Übertrittsquote beträgt im Landkreis Landshut weiterhin 85%, wobei die Realschule mit 48% vor dem Gymnasium liegt. Das heißt, dass lediglich ein Rest von 15% der Schüler eines Jahrgangs in der Hauptschule/Mittelschule verbleibt. Bei abnehmenden Schülerzahlen das unweigerliche Aus für einen Großteil unserer Hauptschulstandorte“, so die SPD-Kreisvorsitzende im Landkreis Landshut. Gleichzeitig, so Müller weiter, überlege man im Kreistag, ob die vorhandenen Realschulen erneut kostenintensiv ausgebaut oder die Kinder lieber in Containern unterrichtet werden sollen. Das Konzept der Gemeinschaftsschule würde die Schülerzahlen an den überlaufenen Realschulen und Gymnasien deutlich verringern und diesen Schularten den Freiraum für kleinere Klassen und konsequentere Ausbildung bieten, so Peter Stranninger.

In der intensiven Diskussion wurden die vielfältigen Ungerechtigkeiten angesprochen, die das bisherige Schulsystem Schülern, Eltern und Lehrern bietet. „Teuere Nachhilfe, Übertrittsstress, Versagensängste, Über- oder Unterforderung der Kinder, überforderte und ausgebrannte Lehrerinnen und Lehrer, Lernen nach „SchemaF“ oder die immensen Kosten der Schülerbeförderung gehören mit der Gemeinschaftsschule weitgehend der Vergangenheit an“, so AfB-Landesvorsitzende Marion Winter.

Eigentlich sind heute die Förderschulen die besseren Grundschulen und die Berufsbildungswerke die besseren Hauptschulen

Allein die Tatsache, dass durchschnittlich rund 30% der Hauptschüler und 70% der Förderschüler die Schule ohne Abschluss verlassen aber in den Berufsbildungswerken ein Teil gerade diese „lernschwachen Schüler“ – eine Schülerkategorie den es nur in Deutschland gibt – einen Schulabschluss und eine Berufsausbildung bei entsprechender Förderung erreichen, beweist, was mit individueller Förderung erreichen werden kann. Doch dazu bedarf es einer entsprechenden Ausstattung mit Fachlehrern und Sozialpädagogen. Sicherlich steht jedem der 2. und 3. Bildungsweg offen und die Chancen dafür waren noch nie so gut wie heute, aber mit wie viel Enttäuschung und Frustration ist dieser Weg verbunden, nur weil man als Kind zu den „Spätzündern“, die Eltern zu den „bildungsfernen Schichten“ gehörten oder man einfach nur durch einen entsprechenden Migrationshintergrund entsprechende Startschwierigkeiten hatte. „In der inklusiven Gemeinschaftsschule nehmen wir alle von Anfang an mit und sortieren keinen aus“, so Peter Stranninger. Das sei kein „Einheitsbrei“ wie die CSU spottet, sondern Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit für alle.

Der SPD sei klar, dass dieses Konzept nicht umgesetzt werden kann, ohne eine Menge Geld in die Hand zu nehmen, so Peter Stranninger. 1 Milliarde Euro würde die SPD nach einem Regierungswechsel 2013 in die Gemeinschaftsschule investieren. Ruth Müller ergänzte, dass allein die Schülerbeförderung beim Landkreis Landshut mit 6 Millionen im Jahr zu Buche schlägt – nicht mitgerechnet die Kosten, die die Kommunen zusätzlich zu leisten hätten. „Außerdem ist es auf jeden Fall sinnvoller in die Bildung zu investieren, als Milliarden zur Schadensbegrenzung oder bei Spekulationen in der Landesbank zu verbrennen“, so Peter Stranninger abschließend.


Bild:
Geballte Bildungskompetenz in Geiselhöring: v.l. Peter Schmidt (Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Bildung (AfB) im Bezirk Niederbayern), Petra Penzkofer-Hagenauer (AfB), OV-Vorsitzender Johannes Faden, seine Stellvertreterin Brigitte Wessely, Peter Stranninger, stellvertretender Bezirksvorsitzender der NiederbayernSPD und Referent zum Thema Gemeinschaftsschule, Marion Winter, Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Bildung, Herbert Lohmayer (stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Bildung im Bezirk Niederbayern), Maria Wellmann (AfB), Udo Berke, Ruth Müller, Kreisvorsitzende der SPD Landshut und Rainer Pasta, Sprecher des AK Labertal.

 

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