Sparen ist der falsche Ansatz in der Bildungspolitik

Veröffentlicht am 25.10.2009 in Presse

Chaostage im Kultusministerium?

Das bayerische Kultusministerium verursacht an den Schulen mittlerweile ein bildungspolitisches und organisatorisches Chaos unter dem Schüler, Eltern, Lehrer aber auch die Kommunalpolitiker vor Ort zu leiden haben, stellten die SPD-Ortsvorsitzenden Ruth Müller, Tino Melisch und Thomas Niederreiter fest. „Jede Woche wird eine neue Sau durch´s Dorf getrieben“ – das zeuge von absoluter Planlosigkeit und beinhalte keinerlei Konzept. Noch im Februar hieß es, es sollten Kooperationsmodelle zwischen Haupt- und Realschulen entwickelt werden – dann wurden im März die „Gelenkklassen“ diskutiert, die den Übergang zwischen den einzelnen Schularten erleichtern sollen. Nicht zu vergessen, dass erst vor einem Jahr die Lehrpläne des völlig überstürzt eingeführten „G8 über Nacht“ nachgebessert werden mussten, erinnerte Kreis- und Gemeinderätin Ruth Müller. Und nun stehen die Eltern, Lehrer und Kommunalpolitiker ratlos vor dem neuen Modell der „Mittelschulen“. Und auch gegen das neue Übertrittsverfahren hagelt es nicht nur von seiten des BLLV Proteste. Die unsägliche frühe Selektion únd der Druck werden damit nicht besser. Das neue Übertrittsverfahren – insbesondere in der Fixierung von Probe- und Lernphasen – erhöht den Leistungsdruck auf die Kinder noch mehr und verhindert modernes Lernen. Schulpolitische Probleme wurden mit all diesen Reformen nicht gelöst – es gibt weder mehr Lehrer, noch kleinere Klassen noch eine längere gemeinsame Schulzeit. Die SPD Pfeffenhausen habe bereits im April in einer regionalen Schulkonferenz gemeinsam mit den Nachbargemeinden anhand der Geburtenentwicklung festgestellt, dass die Schulentwicklung für die Kommunen nicht mehr kalkulierbar sei. Anstatt den Blick über den Tellerrand zu richten und einmal nach Südtirol, Finnland oder nach Rheinland-Pfalz zu blicken, werde in Bayern scheinbar nach dem Motto: „Bildungspolitik nach Kassenlage“ gearbeitet. Bei all diesen Schulreformen stünden nicht die Kinder im Mittelpunkt sondern stets die Finanzen. Das Ansehen der Hauptschule habe in den letzten Jahren gelitten – mit dem Mut zu kleinen Klassen und individueller Förderung könnten hier Jugendliche erfolgreich einen Schulabschluss in einem sozial stabilen Umfeld machen. Eine Zentralisierung der Verwaltung, der Unterrichtsorte und der Lehrer trage nicht dazu bei, sich vor Ort als Schule mit potentiellen Ausbildungsbetrieben besser zu vernetzen, bemängelte stellvertretender Ortsvorsitzender Thomas Niederreiter. Die Mittelschule löst kein Problem, schafft aber vor allem für die Gemeinden viele neue Probleme, ist sich Ruth Müller sicher. Im Bereich der Ganztagsangebote sieht der stellvertretende Ortsvorsitzende Tino Melisch auch viele Defizite. Einerseits werde der Ausbau von Ganztagsschulen propagiert, wenn es aber um die Finanzierung gehe, blicke bald keiner mehr durch. Hier werden Unterschiede zwischen Grund- und Hauptschulen gemacht und auch hinsichtlich der Kostenübernahme für die Schülerbeförderung gebe es gravierende Unterschiede, abhängig davon, ob es sich um offene oder gebundene Ganztagsschulen handle. Die langfristige Lösung sehen die Verantwortlichen der Pfeffenhausener SPD darin, das Recht auf einen Ganztagsplatz an allen Schulen gesetzlich zu verankern, denn auch bei den Kindertagesstätten hat der Rechtsanspruch dazu geführt, dass bedarfsgerecht und nicht nach Kassenlage ausgebaut wurde. Auch für die Pfeffenhausener Grundschule müsse man überlegen, in Zukunft gebundene Ganztagszüge anzubieten – solange man in der Grundschule noch zweizügig sei, könne man so den Eltern die Wahlfreiheit anbieten und somit den Bedürfnissen eines modernen Bildungswesens gerecht werden. Gleichzeitig fördere man die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, so der dreifache Familienvater Tino Melisch. In der augenblicklichen Situation können wir froh sein, dass die SPD Pfeffenhausen im Januar 2007 den Anstoß gab, eine Ganztagsschule zu errichten, erinnerte Ruth Müller, denn das sei eine der Grundvoraussetzungen für die neuen Mittelschulen, sollten sie denn kommen. Hier müssten aber alle Verantwortlichen in den Kommunen endlich gemeinsam an einem Strang ziehen und dem Kultusministerium ganz klar signalisieren, dass die Zeit der Chaostage in der Schulpolitik vorbei sind. Hier könne man nur neidvoll nach Hamburg blicken, in der Hansestadt werde es künftig eine längere gemeinsame Schulzeit geben, so Tino Melisch. Und langfristig sei es wohl am sinnvollsten, die Bildungspolitik in Deutschland einheitlich zu gestalten, wenn die Länder so überfordert sind, wie es in Bayern den Anschein macht.

 

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