Schulreformen haben nichts gebracht

Veröffentlicht am 23.08.2009 in Presse

Über die Irrungen und Wirrungen der bayerischen Schulpolitik diskutierten die beiden Ortsvorsitzenden der SPD Pfeffenhausen mit der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden MdL Johanna Werner-Muggendorfer.

"Das Schuljahr 2008/2009 war geprägt von schulpolitischen Verwirrungen und Unsicherheiten", so Muggendorfer, denn: "Eine sogenannte Reform jagte die nächste. Die schulpolitischen Probleme wurden allerdings nicht gelöst. Schaut man genauer hin, ist alles bei der alten parteipolitisch und ideologisch geprägten Bildungspolitik geblieben. Die FDP konnte in Sachen Bildungspolitik kein einziges Wahlversprechen einlösen – von den kleineren Klassen oder der längeren gemeinsamen Schulzeit sei man noch weit entfernt. Gerade die Einführung der neuen „Mittelschule“ sieht die Kreis- und Gemeinderätin Ruth Müller mit Skepsis. Die Festlegung der Mindestgröße von 300 bis 400 Schüler/innen pro Mittelschule wird allerdings in Zukunft zu weiteren Schließungen von Schulstandorten führen. Im Landkreis Landshut gibt es derzeit gerade 2 Hauptschulen, die über 300 Schüler haben. Sieht man in den Nachbarregierungsbezirk Oberpfalz, dann weiß man, was einen erwartet, zeichnet Muggendorfer ein düsteres Bild: Hier ist schon die Rede davon, dass man jetzt eine Mindestgröße von 500 Schülern braucht, um angesichts des Schülerrückgangs durch die geburtenschwächeren Jahrgänge auf die langfristig angepeilten 300 Schüler zu kommen. Die Frage, wie die Kooperation mit kleineren Hauptschulen funktionieren soll, hinsichtlich der Schülerbeförderung, der Unterrichtsangebote, der Wertigkeit des bisherigen M-Zuges und des Quali-Abschlusses, bleiben unbeantwortet. Die Mittelschule löst kein Problem, schafft aber vor allem für die Gemeinden viele neue Probleme, ist sich Ruth Müller sicher. Im Bereich der Ganztagsangebote sieht der stellvertretende Ortsvorsitzende Tino Melisch auch viele Defizite. Einerseits werde der Ausbau von Ganztagsschulen propagiert, wenn es aber um die Finanzierung gehe, blicke bald keiner mehr durch. Hier werden Unterschiede zwischen Grund- und Hauptschulen gemacht und auch hinsichtlich der Kostenübernahme für die Schülerbeförderung gebe es gravierende Unterschiede, abhängig davon, ob es sich um offene oder gebundene Ganztagsschulen handle. Der Ausbau an Realschulen und Gymnasien – zunächst nur für die 5. und 6. Klasse geplant – wurde auf die nächste Legislaturperiode vertagt, informierte Werner-MUggendorfer. Es bleibt also bei 100 Ganztagszügen an 2300 Grundschulen, 12 Ganztagszügen an 400 Gymnasien und 10 Ganztagszügen an 320 Realschulen. Das sei ein Tropfen auf den heißen Stein und werde den Bedürfnissen eines modernen Bildungswesens nicht gerecht und fördere nicht die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, so der dreifache Familienvater Tino Melisch. Die langfristige Lösung sehen Johanna Werner-Muggendorfer und Ruth Müller darin, das Recht auf einen Ganztagsplatz an allen Schulen gesetzlich zu veranken, denn auch bei den Kindertagesstätten hat der Rechtsanspruch dazu geführt, dass bedarfsgerecht und nicht nach Kassenlage ausgebaut wurde. Der Vorstoß des Parteivorsitzenden Franz Müntefering, die Bildungspolitik bundeseinheitlich zu regeln, findet bei den drei SPD-Politikern große Zustimmung, denn es könne nicht sein, dass in 16 Bundesländern 16 verschiedene Bildungssysteme existieren. Gerade bei der geforderten Flexibilität der Arbeitnehmer sei es auch wichtig, dass sich für die Kinder ein Umzug nicht nachteilig auswirke, so Tino Melisch, der in seiner Zeit als Zeitsoldat von seinen Kameraden mit den Schulproblemen der Kinder konfrontiert wurde.

 

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