Kein fächerübergreifendes Lernen möglich

Veröffentlicht am 15.07.2013 in Bildung

Seminar der Arbeitsgemeinschaft der sozialdemokratischen Frauen „G 8 und /oder G 9“

Nicht einmal 31% der Grundschüler des Landkreises Landshut sind in den vergangenen Schuljahren in das Gymnasium übergetreten. Niederbayern ist allgemein der Regierungsbezirk in Bayern mit der niedrigsten gymnasialen Übertrittsquote. Verursacht ist diese Tatsache auch durch lange Anfahrtswege. Aber hauptsächlich liegt es an der Verunsicherung und Unzufriedenheit der Eltern durch die Verkürzung der Schulzeit des Gymnasiums von 9 Jahren auf 8 Jahre.

Angelika Thiel, Mitglied des Vorstandes der Arbeitsgemeinschaft der sozialdemokratischen Frauen Niederbayern, organisierte wegen der großen Bedeutung des Themas im Landtagswahlkampf ein Seminar mit dem Titel „G8 und/oder G9“ in Ergolding. Als Seminarleiterin konnte Marion C. Winter, Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Bildung der SPD, gewonnen werden. Als Teilnehmende waren u.a. auch Frauen des SoFIA-Projekts der SPD anwesend.

„Lieber geht mein Kind auf die Realschule, als dass ich es den Stress des Gymnasiums auszusetze!“ oder „ Wenn mein Kind in die Realschule geht, muss es keinen langen Schulweg zurücklegen.“, so berichtete Angelika Thiel, wird immer wieder ihr gegenüber im Gespräch mit Elternteilen von Grundschulkindern argumentiert. Als Klassenelternsprecherin und Elternbeirätin des Maristengymnasiums Furth kommen ebenso sehr häufig Eltern mit ihren Nöten auf sie zu. Wobei sie überzeugt ist, dass das Maristengymnasium durch die geringe Schülerzahl bestmöglich die Gymnasiasten unterrichtet und sich intensiv um seine Schüler und Schülerinnen kümmert. Trotzdem verursacht das achtjährige Gymnasium, das sogennannte G8, nicht nur Stress bei den SchülerInnen sondern auch bei den Eltern und Lehrern. In der Mittelstufe haben die SchülerInnen bereits 32 – 35 Schulstunden plus täglich mehrstündige Hausaufgaben. Bei vielen kommt dann noch Nachhilfe hinzu. „250 Millionen Euro werden in Bayern für Nachhilfe ausgegeben und den Schülern bleibt meist keine Zeit mehr für Sport oder Musik als Ausgleich!“, fügt Angelika Thiel an.

Kurz zuvor hatten sich Marion C. Winter und Angelika Thiel bei einer Veranstaltung des BLLV (größter bayerischer LehrerInnenverband) mit Spitzenpolitikern über die aktuellen bildungspolitischen Einstellungen der bayerischen Parteien und ihre Reformvorschläge informiert. Kultusminister Spaenle hält am G8 fest, da er dieses durch die durchschnittliche Übertrittsquote von ca. 40% in Bayern, den Abiturnotendurchschnitt von 2,32 und zu 97% bestandenen Abitur 2013 in Bayern bestätigt sieht. „Auf die Kosten der Kinder, die nur von einer Prüfung auf die andere lernen. Das G9 ist nur auf acht Jahre komprimiert worden. Frontalunterricht wird weiter vollzogen und kein fächerübergreifendes Lernen wird ermöglicht. Dabei können die SchülerInnen keinen Spaß am Lernen entwickeln“, ist die Aussage von Angelika Thiel hierzu. „Die BayernSPD will eine Wahlmöglichkeit ab der Mittelstufe. Am Ende der 7. Klasse könnten dann die SchülerInnen wählen, ob die restliche Schulzeit schneller als G8 oder langsamer als G9 ablaufen soll.“

„ Im G9 würde es bis zum Abitur bei 30 Wochenstunden bleiben“, erklärt Marion C. Winter. „Mit einer gebundenen Ganztagesschule wäre das G8 sicherlich auch leichter zu meistern“, war sich Marcella Isleb, eine der jungen Seminarteilnehmerinnen, die noch ein G9-Abitur absolvierte, sicher. „Eine weitere Wahl zur 5. Klasse zwischen G8 und G9, wie es die Freien Wähler wollen, wird die Eltern noch mehr verunsichern“, äußerte Tuba Altuntas und fand einstimmige Bestätigung bei den anderen Seminarteilnehmerinnen.

Durch den regen Austausch der Erfahrungen und Informationen beim Seminar zwischen ehemaligen Abiturientinnen, Klassenelternsprecherin und Elternbeirätin, der Landesvorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft für Bildung der SPD, politisch aktiven SPD-Mitgliedern und teils Müttern, wurde das Seminar zu einer interressanten Veranstaltung. „Die einfache Rückkehr zum G9 würde nicht alle Probleme lösen. Der Frontalunterricht müsste abgelöst werden durch vermehrte Gruppenarbeiten und selbständiges Lernen. Wichtig wäre auch die Reduzierung der Schülerzahl pro Klasse“ , waren sich Marion C. Winter und Angelika Thiel am Ende des Seminars einig.

Foto: die Seminarteilnehmerinnen von li. nach re.
1. Reihe: Hanane Mafki, Marion C. Winter, Tuba Altuntas, Filiz Cetin und Angelika Thiel.
2. Reihe: Karin Hagedorn, Marcella Isleb und Michaela Stangl

 

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